Buch Der Profi-Bürger
Handreichungen für die Ausbildung von Diplom-Bürgern, Diplom-Patienten, Diplom-Konsumenten, Diplom-Rezipienten und Diplom-Gläubigen
Die Beiträge von Peter Sloterdijk, Wolfgang Ullrich, Eveline Goodman-Thau, Manfred Schlapp, Markus Gatzen und Bazon Brock bieten Ausbildungsangebote an, um auf professionelle Weise mit den alltäglichen Zumutungen widersprüchlicher Wahrheitsansprüche umgehen zu können.
Inhalt
- Dieter de Lazzer: "Professionalisierung der Bürger" – Einleitung
- Markus Gatzen: Part des Mediziners am Projekt Bürger-Professionalisierung
- Bazon Brock: Anleitung zur radikalen Selbstwürdigung in Bürgerschulen
- Peter Sloterdijk: Über die Entstehung der res publica aus dem Geist der Empörung
- Wolfgang Ullrich: Über die warenästhetische Erziehung des Menschen – oder: vom Konsumenten zum Konsumbürger!
- Manfred Schlapp: Eine peripatetische Ästhetik der muslimischen Welt. Ein Lehrangebot für Diplom-Gläubige
- Eveline Goodman-Thau : Monotheismus der Moderne – Zeitgemäße Überlegungen für Profi-Bürger aus den Quellen des Judentums
Editorische Vorbemerkung
Wer heute nicht weniger gesund aus dem Krankenhaus entlassen werden will, als er hineinging, muss schon Erhebliches über unser Gesundheitssystem gelernt haben. Wer sich Heilspredigern Sinn suchend anschließt, muss wissen, wie man sich dem psychologischen Druck von Sekten oder Fundamentalisten aller Couleur entziehen kann. Wer vor Paketversand- oder Fahrkartenautomaten nicht nach ewig-vergeblichem Probieren irre werden möchte, sollte einsehen, dass der angebliche König Kunde den Unternehmen allein in Deutschland jährlich hunderte Millionen zusätzlichen Gewinn dadurch verschafft, dass er gezwungen ist, alle Serviceleistung selber zu erbringen.
Zwar bilden wir Künstler in Akademien und Hochschulen aus. Sie studieren und arbeiten jahrelang, bevor sie sich dem Publikum stellen dürfen. Aber wer kümmert sich um die Ausbildung des Publikums, für das Künstler ja ihre höchst anspruchsvollen Werke schaffen? Kommt es nicht einer Herabwürdigung der Arbeit von Wissenschaftlern und Künstlern gleich, wenn man selbstverständlich voraussetzt, schwierigste Werkkonzepte oder Forschungsansätze könnte das Publikum mal eben so nebenbei in wenigen Stunden für sich erschließen? Wenn Künstler es nur im jahrlangen Studium erreichen, Diplome und Staatsexamen abzulegen, können wir nicht ohne angemessene Kenntnis deren Arbeitsresultate beurteilen oder gar für uns zu nutzen wissen. Wo lernt man das? In den Besucherschulen, in den Patientenkursen, im Konsumententraining, in den Saulus-Übungen der Kritikfähigkeit, kurz, in der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe.
Ab Sommersemester 2010 bietet „Der professionalisierte Bürger“ Ausbildungsangebote für Diplom-Rezipienten, Diplom-Patienten, Diplom-Konsumenten, Diplom-Bürger und Diplom-Gläubige für Bürger aller Altersgruppen an. Der vorliegende Band enthält programmatische Beiträge der verantwortlichen Dozenten.