Essenzen zu Bazon Brock Zitate aus der Arbeitsbiographie von Bazon Brock angelegt von seinen Lesern Bazon Brock bazonbrock@bazonbrock.de http://www.bazonbrock.de http://www.bazonbrock.de/feed-essenzen/ 2019-08-19T11:46:47+02:00 Essenz zu »Keks und Liebe« angelegt von Tim Kröger http://www.bazonbrock.de/essenzen/?id=879 2019-08-05T12:33:03+02:00 im Werk »BESUCHERSCHULE d 7« Also, wenn Dinge nicht die Bedeutung in sich enthalten, wie etwa eine Schachtel einen Keks, was heißt dann Bedeutung, wo kommen dann die Bedeutungen her? Und da gibt es nun die erste einfache aber verbindliche Vorgabe, verbindlich nicht nur für den Bereich der Kunst, sondern auch in anderen Lebensbereichen, zum Beispiel auch in der Wissenschaft. Wir sagen, Bedeutungen entstehen hier auf Erden für alle Menschen bei jeder Art von Tätigkeit nur dadurch, daß Menschen in der Lage sind, Dinge voneinander zu unterscheiden. Das ist alles, das hört sich sehr einfach an, aber das hat es auch in sich. Dinge unterscheiden zu können, ist die Voraussetzung dafür, daß etwas eine Bedeutung haben kann. Aber das Unterscheiden alleine ist noch nicht das Entscheidende, es geht natürlich um die Gesichtspunkte der Unterscheidung. Nehmen Sie mal an, Sie fahren als Verkehrsteilnehmer eine Straße mit Ihrem Auto entlang und unterscheiden nun die Verkehrsschilder nur im Hinblick auf die Größe, das könnten Sie ja tun, oder auch im Hinblick auf das Gewicht der Verkehrsschilder, dann wissen Sie alle, daß unter diesen Unterscheidungsgesichtspunkten (Gewicht oder Größe) die Verkehrsschilder für Sie als Verkehrsteilnehmer keine Bedeutung haben. Erst wenn Sie die Schilder danach unterscheiden, was die Schilder Ihnen für Ihr Verhalten sagen, werden die Schilder für Sie als Verkehrsteilnehmer bedeutsam. Tim Kröger Essenz zu »Die Forderung nach Schönheit ist revolutionär, weil sie das Häßliche gleichermaßen zu würdigen zwingt.« angelegt von Tim Kröger http://www.bazonbrock.de/essenzen/?id=878 2019-08-05T12:26:29+02:00 im Werk »Der Barbar als Kulturheld« Also stellte man die Ästhetik um: von der Etablierung der Rangskalen im Spektrum schön/häßlich auf das Qualifizierungsschema produktiv/unproduktiv. Als produktiv erwies sich alles, was die Kommunikation aufrechterhält, ja verstärkt und dynamisiert, als unproduktiv galt, was die Kommunikation einschränkte oder gar unmöglich machte. Um derart produktiv zu sein, mußte man einen kommunikativen Umgang mit der Vieldeutigkeit von Zeichen und Bildern, der Mehrwertigkeit von Urteilen trainieren. Das geschah am Besten durch Toleranz gegenüber dem „Unbestimmten“ in seiner wichtigsten Erscheinungsweise als „Neues“. Deswegen wurde die Qualifizierung von Wahrnehmungsangeboten als „neu“ zum Synonym für „Produktivität“ oder „Innovativität“ zum Synonym für „Qualität“, worauf sich nicht zuletzt die „modernen Künste“ in der Bewertung ihrer Arbeitsresultate als „avantgardistisch“ einließen. Tim Kröger Essenz zu »Alle Bildwirkung ist pornographisch« angelegt von Mathias Bergmann http://www.bazonbrock.de/essenzen/?id=877 2019-07-31T18:26:24+02:00 im Werk »1. Egon Schiele Symposium im Leopold Museum« Wo die Unmittelbarkeit willentlich durchgesetzt wird, spricht man sinnvollerweise von pornografischer Bildrezeption. Die nackte Unmittelbarkeit von Reiz und Reaktion, also Pornografie, gibt es nicht nur angesichts sexueller Stimulierungen, sondern bei allen Formen von Auslöserreizen. Demzufolge sprechen wir von Machtpornografie, Gewaltpornografie, Aneignungspornografie (zum Beispiel im Konsum von Waren) wie auch von Ökofundamentalismus, Religionsfundamentalismus und Fundamentalismus der Algorithmen in der Finanzindustrie. Das wird klar, wenn man meine heutige Begriffsbestimmung für Pornografie aufruft, nämlich deren fundamentalistische Komponente: Wer glaubt, auf einen Text oder ein Bild oder ein Musikstück unmittelbar, buchstäblich, einsinnig reagieren und entsprechende Handlungskaskaden auslösen zu müssen, weil durch strafbewehrte Autoritäten das Reiz-Reaktions-Verhältnis vorgegeben sei, handelt im alteuropäischen Sinne pornografisch oder in heutiger Definition fundamentalistisch. Mathias Bergmann Essenz zu »Alle Bildwirkung ist pornographisch« angelegt von Mathias Bergmann http://www.bazonbrock.de/essenzen/?id=876 2019-07-31T18:24:28+02:00 im Werk »1. Egon Schiele Symposium im Leopold Museum« Generell sind Kunstwerke, wie gesagt, nicht durch ihre pornografische/fundamentalistische Nutzung erschöpfbar. Ihr Effekt besteht ja gerade in der Erzeugung des Wirkungsaufschubs als Sublimierung. Das zielt auf Stimulierung der Potentialität und des Wünschens gegenüber der bloßen Aktualität der unmittelbaren Trieberfüllung. Für dieses merkwürdige Verhältnis von Potentialität und Aktualität setze ich ein anderes Verständnis für den Begriff „Utopie“ ein. Dieses utopische Denken will gerade nicht die realen Gegebenheiten bloß durch andere ersetzen; vielmehr wirkt das Utopische als Kritik an den Geltungsansprüchen des Realen, das eben jeweils nur einen Sektor der großen Variationen nachweislicher Wirklichkeiten für Organismen darstellt. Mathias Bergmann Essenz zu »Finito« angelegt von Mathias Bergmann http://www.bazonbrock.de/essenzen/?id=875 2019-07-30T01:26:20+02:00 im Werk »Die Macht des Alters« Obwohl also »Vollendung« nur eine Denknotwendigkeit ist und keine Gestaltungsanweisung, lehnten die Modernisten auch diesen Begriff ebenso radikal ab wie den der »Meisterschaft« oder des »Werkes«. Damit erweisen sie sich als Begriffsfetischisten, die alles, was man in Begriffe fassen kann, schon für eine Realität halten. Im eigentlichen Sinne modern denkt aber, wer Begriffe wie Namen versteht, also als bloße Hilfsmittel unserer Orientierung in der Welt. Mathias Bergmann Essenz zu »Experimentelle Soziologie: Wörlitz als Zukunftslabor für die ästhetische Bildung des Menschengeschlechts« angelegt von Mathias Bergmann http://www.bazonbrock.de/essenzen/?id=874 2019-07-28T15:13:52+02:00 im Werk »Wörlitz« Theater als Bildungsanstalt, in der der Zuschauer im wahrsten Sinne des Wortes der Reflexion teilhaftig wird, indem er sieht, wie andere etwas sehen und darauf reagieren. Vorläufer dafür war die Teichoskopie, in der der Zuschauer hört, was ein anderer schildert, das Geschilderte aber selber nicht sieht. Die philosophische Synthese dieser Vorgänge wurde in dem Aufklärerlehrsatz formuliert: „esse est percipi“, das heißt, man existiert sozial nur in den Augenblicken des Wahrgenommenwerdens durch andere. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts sind diese reflexiven Formen als grundlegend für die Entstehung von Öffentlichkeit verstanden worden. Die ersten englischen Zeitungen der 1710er Jahre hießen „Spectator“ und „Observer“, also „Zeitzeuge“ und „Bewerter der Zeitzeugenberichte“, was später in der Philosophie der journalistischen Arbeit als strikte Trennung von Ereignisbericht und Kommentar verbindlich wurde. In heute zeitgerechter Sprache ist das die Unterscheidung von Beobachtern 1. und 2. Ordnung. Mathias Bergmann Essenz zu »Beispielgeber im Beispiellosen.« angelegt von Mathias Bergmann http://www.bazonbrock.de/essenzen/?id=873 2019-07-28T15:08:42+02:00 im Werk »Kunstforum International« Erlauben Sie mir einen kurzen Exkurs: Die Beobachtung erster Ordnung geht von der Frage aus: "Was beobachte ich?" oder: "Was ist der Fall?" Dieser Art der Beobachtung liegt zugrunde, was ich sehe, und nicht, was ich nicht sehe, womit ein "blinder Fleck" angesprochen ist. Dieser "blinde Fleck" kann nur durch eine weitere Beobachtung, eine Beobachtung zweiter Ordnung erhellt werden. Es handelt sich dabei um eine Beobachtung, welche die Unterscheidung beobachtet, welche durch den Beobachter erster Ordnung verwendet wurde. Die Beobachtung zweiter Ordnung sieht also nicht mehr nur die eine Seite der vorher gewählten Unterscheidung, sondern beide, also auch das, was der Beobachter erster Ordnung nicht gesehen hat. Die Fragen lauten jetzt: "Wie bzw. mit welchen Unterscheidungen beobachtet der Beobachter?" Oder: "Warum so und nicht anders?" Mathias Bergmann Essenz zu »Designing Public: Über die Parallelisierung von Discours und Parcours« angelegt von Mathias Bergmann http://www.bazonbrock.de/essenzen/?id=872 2019-07-28T15:08:37+02:00 im Werk »Gesellschaftliche Konflikte – Privatisierung des Öffentlichen« Das Museum kann als ein Kernmodell der Einheit von Discours und Parcours betrachtet werden. Denn im Museum wird sowohl der diskursive Zusammenhang durch das räumliche Nacheinander des Abschreitens, also durch den Parcours, gestiftet, als auch das Verhältnis des Aussagenden zu anderen Menschen, die ihrerseits den gleichen Problemen ausgesetzt sind, demonstrativ wiedergegeben. Die Wirkung dieses Reflexionsprinzip lässt sich auch sehr gut anhand des folgenden Beispiels nachvollziehen: Im Jahr 1711 wird der Spectator als eine Zeitschrift der Beobachtung erster Ordnung gegründet, in welcher das Verhältnis des Menschen zur Welt als das eines Zuschauers dargestellt wird. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts erschien jedoch als Medium der Beobachtung zweiter Ordnung eine Zeitschrift namens Observer, gewissermaßen ein Beobachter des Zuschauers. So beginnt die große moderne Aufklärungswelle als eine Bewegung des Parallellaufs von Discours und Parcours, in welcher die Individuen selbst die Vermittlerrolle zwischen den großen beherrschenden Themen und dem übernehmen, was in der Bewegungsdynamik eines Individuums bedeutsam wird. Mathias Bergmann Essenz zu »Nur wer mehr ist als er selbst, ist er« angelegt von Mathias Bergmann http://www.bazonbrock.de/essenzen/?id=871 2019-07-28T00:00:12+02:00 im Werk »Peter Zizka. Egokollektiv« Zwar ist die Einsamkeit Voraussetzung für die Konzentration in der Arbeit, aber das Ziel des Arbeitens ist ja die Gemeinschaft der Mitlebenden, die über die Voraussetzungen verfügen, um nach allgemeingültigen Kriterien zwischen dem Sinnvollen und dem Unsinnigen, zwischen dem Dienst gegen das Leiden an der Wahrheit und den Unterwerfungsambitionen zu unterscheiden. Im Ziel der Arbeit der Einsamen manifestiert sich dann doch die Orientierung auf die anderen, denen wir darin gleichen, jeweils andere sein zu müssen und zu wollen. Mathias Bergmann Essenz zu »Kunst? Design? So what? Quid tum?« angelegt von susanne lange-greve http://www.bazonbrock.de/essenzen/?id=870 2019-07-26T13:11:17+02:00 im Werk »Querschnitte« „Bilder schaffen mehr Wirklichkeit als alles Tun und Handeln – nicht das Geschehene, das Geschaute formt und wandelt uns.“ Mit den Bildern meinte sie die Erfüllung von Alltagsbeobachtungen wie das Fallen der Blätter, die blaue Ferne oder den Glanz der Sonne über den abgeernteten Feldern mit Sinnbildlichkeit. Diese Verwandlung von Sehen in Schauen definiert generell Ikonizität. So kann man mit Fug und Recht behaupten, funktionales Design verwandele Gebrauchsobjekte des Alltagslebens in Ikonen. Vor diesen Ikonen sind wir voller Erwartung auf ihre geradezu zauberhafte und uns völlig unverständliche Funktion. susanne lange-greve